Unser Flugblatt

FlugblattSommer 1992
Auf dem Marktplatz in Poppenbüttel sind Wohnwagen aufgereiht, in denen 125 Flüchtlinge leben, die vor dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland geflohen sind. Später werden viele von ihnen in das Containerdorf am Jaspersdiek ziehen. Sie alle stoßen auf eine Welle der Hilfsbereitschaft, sie fühlen sich sicher hier bei uns in Poppenbüttel.

Sommer 2015
Die größte Flüchtlingswelle seit Ende des 2. Weltkriegs ist eine Realität, die uns Abend für Abend in den Nachrichten vermittelt wird. Bürgerkriege in Syrien, im Irak, in Eritrea führen zu Massenfluchten von Menschen, die alles aufgeben, um ihr Leben und das ihrer Kinder zu retten. Tragödien auf überladenen Flüchtlingsschiffen kosten Tausende von ihnen das Leben. Auch wenn wir nur Bilder gesehen haben, so haben uns diese oft den Atem stocken lassen angesichts des unfassbaren Leids, das die Flüchtlinge erlitten, die es bis nach Europa, bis nach Deutschland und bis nach Hamburg geschafft haben.
Hamburg nimmt von den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, 2,5 % auf. Im letzten Jahr waren dies mehr als 6.600 Menschen, für das laufende Jahr wird mit einem weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen gerechnet. Viel zu lange müssen viele der Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen leben. Eigentlich sollen sie nach spätestens drei Monaten eine Unterkunft in einer besseren Gemeinschaftsunterkunft beziehen. Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familien und Integration sucht wegen des hohen Bedarfs Flächen, die sich als Bauplätze für eine menschenwürdige Unterbringung eignen. Eine solche Fläche ist jetzt am Poppenbüttler Berg / Ohlendiek in die Planung einbezogen worden.

Was streben wir an?
Wir sind Poppenbüttler Bürgerinnen und Bürger, die in räumlicher Nähe zu der geplanten Unterkunft leben. Einige von uns haben in den Jahren nach 1992 aktiv an der Integration der Flüchtlinge aus Bosnien mitgearbeitet. Wir sind der festen Überzeugung, dass Poppenbüttel ein Stadtteil ist, der sich der Hilfe für die Flüchtlinge und der Aufgabe ihrer Integration aktiv zuwenden wird. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Menschen, die aus tiefer Not geflohen sind und kaum mehr als ihr nacktes Leben retten konnten, unsere Zuwendung und Unterstützung erhalten. Wir gehen davon aus, dass viele von ihnen auf Grund der Situation in ihren Heimatländern länger werden bleiben müssen, als sie sich das selbst im Augenblick vorstellen können. Deshalb sehen wir viele Aufgaben auf unseren Stadtteil zukommen, von der Hilfe beim Behördengang und Arztbesuch über die ersten Schritte beim Erlernen einer bisher völlig fremden Sprache bis hin zur Ausstattung mit dem Notwendigsten für die Bewältigung des Alltags. Wir wissen, dass es Schwierigkeiten dabei geben kann, aber wir sind sicher, dass soziale Integration der beste Weg ist, diese Schwierigkeiten zu überwinden.

Wie geht es weiter?
Das Bezirksamt Wandsbek wird Anfang Juli zu einer Informationsveranstaltung einladen. Wenn uns dann genauere Informationen vorliegen, werden wir direkt nach den Sommerferien die Initiative „Poppenbüttel hilft“ ins Leben rufen. Wir freuen uns über jede Art von Mitarbeit.

Wir zeichnen dieses Flugblatt mit unseren Namen, weil wir ansprechbar sein wollen und weil wir überzeugt sind, dass wir in einem Stadtteil leben, in dem unsere Ziele auf eine breite Zustimmung stoßen werden. Wir setzen auf eine Zusammenarbeit mit den Schulen und Kirchen, den sozialen Verbänden, Kindergärten und Sportvereinen, und vor allem mit Ihnen, den Poppenbüttler Bürgerinnen und Bürgern. Wir wollen den Flüchtlingen, die zu uns kommen, ein ganz deutliches Signal geben:

Poppenbüttel hilft !